Drei Wörter im Titel garantieren in letzter Zeit volle Sitzreihen bei Vorträgen: Open, Government und Data. Die Öffnung von Regierung und Verwaltung ist eines der Top-Themen schlechthin. In der Breite erschließt “Open Government” diese Thematik, bezogen auf die Öffnung von Daten- und Informationsbeständen umfasst  es der Begriff “Open Data”.

Im Oktober trafen sich maßgebliche Wegbereiter der Open Government Data Bewegung in der deutschsprachigen D-A-CH-LI-Region in Wien bei der OGD D-A-CH-LI Konferenz zum Erfahrungsaustausch zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Prof. Ina Schieferdecker und ich waren seitens des Fraunhofer Instituts FOKUS vor Ort. Diskutiert wurde allgemein die Freigabe und Bereitstellung von Regierungs- und Verwaltungsdaten, den länderübergreifenden interoperablen Datenaustausch und die Harmonisierung der OGD-Standardisierung. Die Vorträge und ein Konferenzband [PDF] stehen online zur Verfügung.

Auch Deutschland war durch zahlreiche Akteure vertreten. So berichtete Dr. Wolfgang Both zum Stand in Berlin, Jan-Ole Beyer plädierte dafür, dass Offene Daten  „die Grundlage für stärkere Kooperation und Partizipation – kurz: für Open Government“ sind, Prof. Ina Schieferdecker berichtete über den aktuellen Stand der Metadatenstandardisierung und ich plädierte dafür, dass neben aller notwendigen Aufmerksamkeit für Open Data die breitere Perspektive Open Government nicht vernachlässigt werden darf.

Open Governemnt Data in Berlin: Erfahrungen und aktueller Stand

Dr. Wolfgang Both ist für die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung in Berlin mit dem Aufbau des ersten Open Data Portals in Deutschland betraut. Als erfahrener Open Data Experte teilte er auf der Konferenz seine Erfahrungen nach einem Jahr Open Data Portal Berlin mit den Anwesenden. Er hob insbesondere die positiven Auswirkungen der Zusammenarbeit mit der Netzgemeinde sowie die guten Erfahrungen mit dem Apps4Berlin-Wettbewerb hervor. Seit August 2012 tagt in Berlin eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe Open Data, die sich 2013 u. a. mit Fragestellungen der Weiterbildung zu Open Data und Open Government befassen wird und an einem Regierungsbeschluss zur Festlegung von Standards für Open Data arbeitet. Letzteres ist für Dezember 2013 geplant. Den Vortrag gibt es hier [PDF].

Offene Daten als Grundlage für stärkere Kooperation und Partizipation: Der Stand in Deutschland

Jan-Ole Beyer aus dem Bundesministerium des Innern berichtete in seinem Vortrag [PDF] über die Entwicklung zu Open Government Data in Deutschland und betonte, dass offene Daten „die Grundlage für stärkere Kooperation und Partizipation – kurz: für Open Government“ sind. Entgegen kurzzeitiger Verwirrungen auf Twitter (Tweet 1 / Tweet 2) kündigte er den Prototypen der Open Government Plattform für Anfang 2013 an. Beyer hob zudem konkrete Maßnahmen hervor, die angegangen werden müssen. So z.B. die Einigung auf Nutzungsbestimmungen, einheitliches Metadatenschema und eine Strategie für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit aber auch Informations- und Weiterbildungsmaterialien für verschiedene Zielgruppen –  “Die Leute müssen lernen, was sie mit den Daten machen können und wie sie diese Daten etwa für das Studium oder in der Schule nutzen können.”

Harmonisierung der Metadaten: Den Weg ebenen für den länderübergreifenden Zugang zu offenen Daten 

Als wichtiges länderübergreifendes Diskussionsthema stellten sich die Metadaten-Strukturen heraus. Österreich hatte im Oktober 2012 eine Version 2.0 ihres Metadatenstandards veröffentlicht und arbeitet derzeit bereits an einer Version 2.1, die vermutlich im Dezember hier verfügbar sein wird. Im Projekt Open Government Plattform Deutschland wird derzeit eine erste deutsche Metadatenstruktur entwickelt. Den aktuellen Stand diskutierte Ina Schieferdecker mit den D-A-CH-Li-Vertretern in einem Workshop. Dabei zog sie in ihrem Vortrag u.a. einen quantitativen und qualitativen Vergleich des österreichischen und des deutschen Ansatz. Beide Metadaten-Strukturen basieren auf CKAN und haben viele Gemeinsamkeiten. Es existieren Unterschiede beispielsweise in der Anzahl der Pflichtfelder (AT: 11 vs. D: 10) sowie der optionalen Felder (AT: 20 vs. D: 17). Qualitativ unterscheiden sie sich u.a. im Umgang mit Datumsangaben und Ansprechpartnern sowie unterschiedlichen Kategorien. Schieferdecker zog letztlich aber trotz der Unterschiede das Fazit, dass Diskrepanzen überwindbar sind und zeigte sich optimistisch hinsichtlich einer möglichen Harmonisierung.

Regierungen und Verwaltungen als sog. “Black Boxes” werden nicht länger Bestand haben

Ich selbst habe in meinem Vortrag [PDF] den Standpunkt vertreten, dass Open Government mehr als Open (Government) Data ist – eine Position, die in ähnlicher Form kürzlich ebenfalls von der Gesellschaft von Informatik im Memorandum zur Öffnung von Staat und Verwaltung [PDF] veröffentlicht wurde. Nicht nur die Technologien haben sich verändert, auch die Erwartungshaltung an Handlungen und Entscheidungsprozesse des öffentlichen Sektors ist eine andere geworden. Deswegen wird ein politisch-administratives System, das von außen als nicht nachvollziehbare Black Box funktioniert auch nicht länger Bestand haben. Vielmehr sollte sich das politisch administrative System für eine Mitwirkung durch Dritte öffnen (Partizipation) und vor dem Hintergrund geringer werdender eigenen Ressourcen stärker nach Kooperationen mit der Gesellschaft bei konkreten Aufgaben und Projekten streben (Kollaboration). Hinsichtlich der Nachvollziehbarbarkeit (Transparenz) vertrete ich die Auffassung, dass es wichtig ist, nicht nur Daten sondern auch Informationen – also Dokumente – in entsprechenden Formaten über Open-Data-Portale zugänglich zu machen. Viele für Bürger interessante Themen bleiben sonst außen vor – beispielsweise Gesetzestexte. Gerade wenn es um Open Data als Teil von Open Government geht, sollten zukünftig neben der technischen Betrachtung der Daten die Prozesse zwischen Bürgern, Verwaltungen und Unternehmen viel stärker in den Vordergrund rücken. Nur so können  offene Daten und Informationen sinnvoll in Partizipations- und Kollaborationsprozesse eingebunden werden und Input von Dritten nahtlos und mehrwertbringend in Verwaltungsabläufe einfließen.

Die Konferenzreihe OGD D-A-CH-Li wird vermutlich im Frühling 2013 am 16. Mai 2013 in Berlin im Rahmen des Effizienten Staats 2013 und im Herbst 2013 in der Schweiz fortgesetzt.

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Über den Autor: Lena-Sophie Müller

Seit 2008 bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) und beschäftige mich in zahlreichen Projekten mit Verwaltungsmodernisierung unter Nutzung der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien in und durch die öffentliche Verwaltung mit dem Fokus auf aktuelle Trends im Open Government.

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