Am 7.12. trafen sich rund 20 Open Data begeisterte Entwickler, Aktivisten und Verwaltungsmitarbeiter um den Fortschritt der Open Government Plattform für Deutschland zu begutachten und die weitere Entwicklung mitzugestalten. Zu dem ganztägigen Treffen in Berlin-Charlottenburg hatten das Bundesministerium des Innern und Fraunhofer FOKUS geladen. Ziel der Veranstaltung war es, auch die Community in den Entwicklungsprozess einzubinden.

Nach einer kurzen Einführung in die Architektur der Plattform konnten die Teilnehmer selbst auf ein Live-System zugreifen und sich so ein Bild von den ersten beiden umgesetzten Komponenten verschaffen: Datenkatalog und Bibliothek. Im Hauptteil konzentrierten sich sie versammelten Open Data-Enthusiasten in getrennten Gruppen auf ausgewählteThemen, wobei jeweils die verantwortlichen FOKUS-Entwickler mit den passenden externen Experten diskutierten.

Beim Thema Suchfunktion herrschte Einigkeit darüber, dass ein einfaches Suchfeld plus Filter angemessen ist. Suchterme sollte unbedingt mit UND statt mit ODER verknüpft werden; alternativ könnte nach Relevanz sortiert werden, wodurch UND-Treffen automatisch weiter oben stehen. Unterkategorien sollten nicht wie geplant hierarchisch, sondern eher wie Schlagwörter dargestellt werden.

Vorschau auf den PrototypenHinsichtlich der Kennzeichnung von Lizenzen bzw. der Nutzungsbestimmungen betonte die Community die Wichtigkeit einer deutlichen Kennzeichnung von freien Datensätzen, also solchen, die höchstens die Nennung der Quelle vorschreiben (attribution), d.h. insbesondere nicht geldleistungspflichtig sind kommerziell genutzt werden können. Datensätze, auf die das nicht zutrifft, müssten zuverlässig als „eingeschränkt“ bezeichnet werden. Ob die Einschränkung konkret in einer Zahlungspflicht, Nutzungsbeschränkung oder etwas anderem bestehe, sei dagegen zweitrangig; d.h. möglichst genaue Angaben seien hier zwar hilfreich, können aber im Zweifelsfall dem Interessierten zur Recherche überlassen werden. Darüber hinaus müssen weitere Lizenzen in Metadaten-Struktur aufgenommen werden, z.B. die Geo-Lizenzen und die Public Domain Dedication License.

Im Bereich Social Media wurde festgestellt:

  • Es soll ein Hilfeforum je Zielgruppe entstehen (Datenbereitsteller, Entwickler, Bürger)
  • Eine Netiquette ist nötig, um klare Richtlinien für das nachträgliche Moderieren von Kommentaren und Forumsbeiträgen vorzugeben.
  • Beliebige Suchanfragen sollten einfach als RSS-Feed abonnierbar sein.
  • Die Zugriffsstatistik der Plattform sollte als Datensatz verfügbar sein.

In der Harvesting-Gruppe wurde vor allem Wissenswertes zwischen den Geodaten-Experten Hr. Weichand von opendata.bayern.de und Hr. Seiler vom BKG und den CKAN-Experten bei FOKUS ausgetauscht. Es stellte sich heraus, dass ein automatischer Import der ISO19115-Metadaten in ein Open Data-Portal häufig nicht möglich ist bzw. den Umfang des Prototypen sprengt, da zentrale Angaben wie die veröffentlichende Stelle oder die Lizenz bundesweit nicht einheitlich kodiert werden. Hier soll zunächst das erschlossen werden, was mit wenig Aufwand entdeckt werden kann, und der Import später durch Hinweise von Datenbereitstellern und Geodatenexperten verfeinert werden.

Ein Penetration Testing im engeren Sinne konnte natürlich während des Workshops nicht durchgeführt werden. Dennoch wurden verschiedene angemessen Maßnahmen zur Absicherung diskutiert, insbesondere die Möglichkeit des Auditings durch einen Dienstleister.

Community WorskshopIm abschließenden Plenum gaben die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse wieder. Zudem wurden umfassendere Themen diskutiert. Dabei kristallisierte sich heraus, dass für einen langfristigen Erfolg der Open Government Plattform für Deutschland neben der Umsetzung von Funktionalität zwei weitere Aspekte entscheidend sind: Erstens benötigt das Thema kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und Community-Management; es wird nicht ausreichen, das Portal bereitzustellen, vielmehr muss ein redaktionelles Team Open Data in Deutschland vorantreiben. Zweitens müssen mehr Datenquellen erschlossen werden. Die bisher involvierten Bereitsteller demonstrieren zwar die Funktionen der Plattform, für ein erfolgreiches Open Government Data Portal müssten jedoch noch deutlich mehr Institutionen und Gebietskörperschaften offene Daten beisteuern.

Insgesamt bescheinigten die Teilnehmer dem Projekt einen guten Fortschritt und sehen einem weiteren Workshop und dem Launch Anfang 2013 positiv entgegen. Beteiligen auch Sie sich per Mailingliste an der Entwicklung.

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Über den Autor: Florian Marienfeld

1 Kommentar

  1. Es ist von großer Wichtigkeit die Seite absolut benutzerfreundliche zu gestalten. Mit dem finanziellen Potential, das dahinter steckt, dürfte es nicht allzu schwer sein fähige Köpfe damit zu beauftragen, die etwas von der Materie verstehen. Dabei sollte immer im Auge behalten werden, die Seite so einfach wie nur irgend möglich zu halten. Es ist weiterhin wünschenswert, dass jederzeit ansprechbare Experten bereitstehen, um direkte Antworten per Mail zu geben. Leider muss immer eine Netiquette eingefügt werden, da manch einer einfach nicht weiß, wo seine Grenzen im Umgang mit Dritten liegen. Als interessierter Leser will man auch einen RSS-Feed abonnieren können. Somit bleibt man immer automatisch auf dem Laufenden. Die Verantwortlichen sollten nach einer Beta-Phase noch einmal alle eingegangenen Kritiken genaustens unter die Lupe nehmen und entsprechende Verbesserungen vornehmen.

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