Ein Gastbeitrag von Dr. Helene Groß, Referentin im Bundesministerium des Innern und dort zuständig für das Projekt Open Government:

Die Bedingungen, unter denen ein Datensatz genutzt werden kann, werden durch Nutzungsbestimmungen oder Lizenzen festgelegt. Über die mögliche Verwendung von Datensätzen entscheidet dabei der jeweilige Datenbereitsteller. Häufig haben Datensätze jedoch keine, unklare oder uneinheitliche Nutzungsbestimmungen. Dies erschwert die Nutzung: Für den Nutzer ist dann nicht klar ersichtlich, ob und inwieweit er die Daten verwenden darf oder auf welche Weise er Datensätze mit verschiedenen Nutzungsbestimmungen miteinander verknüpfen kann.

Das Projekt Open Government hat es sich daher zum Ziel gesetzt, die Verwendung weniger, einfacher und einheitlicher Nutzungsbestimmungen zu fördern.

Dies soll durch zwei Maßnahmen erreicht werden:

1. Keine Aufnahme in den Datenkatalog ohne eindeutige Nutzungsbestimmungen

Eine entscheidende Voraussetzung für die Aufnahme in den Metadatenkatalog des Open-Government-Portals Deutschland sind eindeutig formulierte Nutzungsbestimmungen. Es muss für alle Datensätze und Dokumente unmissverständlich festgelegt sein, unter welchen Bedingungen diese verwendet werden dürfen. Die Eingabemaske für Metadaten enthält hierzu ein entsprechendes Feld, das zwingend ausgefüllt werden muss.

2. Etablierung einer Standardnutzungsbestimmung

In Zusammenarbeit von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden wurden zwei Kategorien von Nutzungsbestimmungen entwickelt. Diese sollen in der Pilotphase des Portals möglichst breit angewendet werden. Im Zuge dessen soll insbesondere auch die Eignung und Akzeptanz der Nutzungsbestimmungen durch Verwaltung und Nutzer überprüft werden. Für den Start der Pilotphase steht eine vorläufige Version der Nutzungsbestimmungen zur Verfügung:

  • Als Standardnutzungsbestimmung wird die „Datenlizenz Deutschland – Namensnennung“ (TXT oder alternativ PDF / Word) empfohlen.
  • Sofern der Datenbereitsteller die kommerzielle Nutzung ausschließen will, soll die „Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – nicht kommerziell“ verwendet werden (TXT oder alternativ PDF / Word).

Weitere Informationen für Datenbereitsteller zum Thema Nutzungsbestimmungen als TXT– oder alternativ als PDF– und als Word-Version.

Update am 1.2.2013: Aktualisierung der Informationen für Datenbereitsteller als TXT– oder alternativ als PDF– und als Word-Version

 Update am 15.1.2013: Ergänzung um Angabe zur CC-Lizenz des Blog-Artikels:

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Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Unported Lizenz.

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Über den Autor: Jens Klessmann

10 Kommentare

  1. … The group agreed that the „Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 1.0“ [3] aims to be a permissive attribution-only license; which would potentially make the license a open license in compliance with the OD. However we have concerns about the actual wording of the license text: …

    siehe http://lists.okfn.org/pipermail/od-discuss/2013-March/000383.html

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  2. Pingback: Staatliche Daten und Informationen als öffentliche Sachen im Gemeingebrauch?

  3. Pingback: 155.000 Euro teuer, nicht open und nicht secure: govdata.de | Jonas Westphal

  4. Pingback: Kein Open-Government Data Portal in Deutschland!? › Open-Everything!

  5. „The initiatives that attract the attention of citizens come at local and regional level. That’s where the challenge is: to have a framework where these services can be developed at a local level but then be exploited at a national and Union level…“ – Declan Deasy (Director, DG Informatics, European Commission).

    Wozu benötigt OPEN GOVERNMENT DEUTSCHLAND wieder mal eigene, so genannte „open“ Lizenzen, wenn der Inhalt neben wirklich offenen Inhalten, doch wieder limitierte Daten enthalten soll… ? Was hat dies mit „OpenGovernment“ zu tun ?? (siehe GI2012-OpenDataPolicy-Forum, Dresden: 18./19.05.2012
    [http://GDI-SN.blogspot.com] ).

    Demzufolge bin ich gespannt, welche Beiträge FOKUS & SMI zu den folgenden EU-Events beitragen werden:
    [ http://eurogi.org/2013-dublin-conferences.html ]
    JRC organizes a session on the European Union Location Framework on 7 March 2013. More information about the EULF on [ http://ec.europa.eu/isa/actions/02-interoperability-architecture/2-13action_en.htm ]
    Source: [ https://www.facebook.com/groups/263193381695/10151392628741696/?ref=notif&notif_t=group_activity ]

    IGN e.V. / Dr. Hoffmann

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  6. Wie von Frau Schieferdecker bereits klargestellt: Niemand behauptet, dass die „Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – nicht kommerziell“ eine offene Lizenz ist!

    Die Idee dahinter ist, dass wir glauben, Behörden den Einstieg in Datenbereitstellung mit dieser zusätzlichen Variante zu erleichtern. Es ist unser Ziel, so viele Daten wie möglich bereit zu stellen. Wir müssen den Behörden aber die Zeit und die Möglichkeit geben, sich dem Thema Schritt für Schritt zu nähern. Und wenn es wirklich so sein sollte, dass diese Variante die Behörden dazu „verführt“, ihre Datensätze grundsätzlich nur für die nichtkommerzielle Nutzung zur Verfügung zu stellen, wird sich dies im Portal zeigen. Dann müssen wir mit den Behörden darüber diskutieren. Das ist der berühmte Kulturwandel, der nötig ist, um das Thema insgesamt voranzubringen. Und daher befürchte ich auch, dass der „Share-Alike“-Ansatz vermutlich noch schwerer in die Verwaltungs-Breite zu tragen ist. Davon abgesehen glaube ich, dass wir einfach Überzeugungsarbeit für den Wert offener Daten (und ihre ggf. kommerzielle Wiederverwendung) leisten müssen. Das Ignorieren der bestehenden Vorbehalte wird uns hier nicht weiterhelfen. Im Rahmen einer Weiterentwicklung der Lizenzen werden wir aber auch noch einmal über die „Share Alike“-Variante sprechen.

    Wir sollten auch nicht in erster Linie über die eingeschränkte Variante diskutieren, sondern über die offene Variante: Die „Datenlizenz Deutschland – Namensnennung“ ist die empfohlene Standardlizenz. Sie ist offen! Die Anregungen zur Schärfung des Wordings, die Herr Schindler auf GitHub veröffentlicht hat, werden wir prüfen. Die kurzfristige Variante wird wie gesagt sein, die Fragen in die FAQs aufzunehmen. Hintergrund für die extrem kurzen Lizenztexte ist, dass wir eine Lizenz kreieren wollten, die kurz, knapp, übersichtlich ist. Wir wollten gerade weg von den komplizierten Texten, die man nur mit einem juristischen Wörterbuch versteht.

    Noch einmal zur Klarstellung: Das Datenportal wird nicht nur offene Daten im Sinne der OD-Kriterien enthalten. Es wird vielmehr ein Datenportal, das sowohl offene als auch eingeschränkt nutzbare Daten bereit stellt. So haben wir es – z.B. im letzten Community-Workshop – auch immer diskutiert. Die verschiedenen Kategorien von Daten sind eindeutig gekennzeichnet. Wer nur offene Daten will, kann sich hier leicht orientieren. Und an den Nutzungsstatistiken werden wir dann hoffentlich aufzeigen können, wie es mit den möglichen Nachteilen der „nicht-kommerziell“-Variante aussieht.

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  7. Pingback: LinuxLife Blog - News: Probleme des Open-Data-Portal des Bundes vor dem Probelauf

  8. Hallo,

    auch ich freue mich sehr, dass Frau Dr. Groß hier selbst veröffentlicht. Ich will auch noch mal auf die Kommentare von Mathias Schindler unter: https://github.com/fraunhoferfokus/ogd-metadata/issues?page=1&sort=comments&state=open hinweisen und bitten darauf zu reagieren.

    Ausserdem würde mich interessieren, ob man beim BMI oder Frauenhofer nicht doch eine Möglichkeit sieht von der non-commercial-Lizenz abstand zu nehmen. Share-Alike (anstatt der NC-Lizenz) ist doch eine Möglichkeit, die die Ängste der „Datenbereitsteller“ besänftigen könnte. Wurde das diskutiert? Wenn Sie eine Möglichkeit einräumen könnten die „Datenbereitsteller“ zu überzeugen wären das sicher sehr sinnvoll. Alles andere ist nicht Open und damit handelt es sich auch nicht um ein „Open Data Portal“!

    Noch eine Frage: Warum steht der Text von Frau Dr. Groß in diesem Blog hier (im Gegensatz zu vielen anderen hier) nicht unter einer freien Lizenz?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Christian Heise

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    • Jens Klessmann

      „Noch eine Frage: Warum steht der Text von Frau Dr. Groß in diesem Blog hier (im Gegensatz zu vielen anderen hier) nicht unter einer freien Lizenz?“
      -> Wir haben jetzt die CC-Lizenz dazu geschrieben, dies war einfach ein Versäumnis. Danke für den Hinweis.

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  13. Sehr geehrte Frau Groß, glauben Sie wirklich, dass Sie die NC-Lizenz wieder loswerden, wenn Sie sie einmal eingeführt haben? Ich denke nach wie vor, dass man lieber auf die Datensätze verzichten sollte, die nur unter den Bedingungen veröffentlicht werden können. Alleine die Diskussion, was „kommerziell“ in dem Kontext bedeutet, wird in eine Sackgasse (sprich: Nichtnutzung) führen, weil keiner, der Lizenzen achtet, so dumm sein wird, diese Daten anzufassen – zu recht! Deswegen kann auf diese Daten von vornherein verzichtet werden.

    PS: Die Zeitanzeigen bei den Kommentaren sind b0rken.

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  14. Pingback: BMI reagiert auf Kritik an den vorgestellten “Open” Data Nutzungsbestimmungen » E-Demokratie.org

  15. Wichtig bei dieser Diskussion ist sicher, dass die Lizenz „Datenlizenz Deutschland – Namensnennung“ als Standardlizenz für OGPD vorgesehen ist. Die Lizenz „Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – nicht kommerziell“ wird nicht als offene Lizenz bezeichnet. Sie ist für andere Datensätze vorgesehen, die nicht der Standardlizenz folgen.

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  16. Dr. Helene Groß

    Es freut mich, dass die erste Version der Nutzungsbestimmungen auf so viel – wenn auch kritisches… – Feedback stößt. Wir haben gerade über den vor allem auf GitHub diskutierten Aspekt „Nicht-kommerziell“ auch viel diskutiert, sind aber – nach Gesprächen in der Arbeitsgruppe „Recht“ des Projekts und mit vielen potentiellen Datenbereitstellern – zu dem Ergebnis gekommen, dass der Nutzen einer solchen Lizenzvariante zum jetzigen Zeitpunkt(!) überwiegt. Ihre Anregungen werden genau wie die Erfahrungen, die wir in den nächsten Monaten mit den beiden Vorschlägen sammeln werden, natürlich in eine Überarbeitung einfließen. In Hinblick darauf, dass wir eine solche Weiterentwicklung mit den Ländern abstimmen, dauert das aber seine Zeit.

    Die Hinweise auf (sprachliche) Unklarheiten nehmen wir aber natürlich gerne auf. Genau aus diesem Grund gibt es ja den Fragen-Antworten-Katalog, der nach und nach weiter ausgebaut werden soll und wird. Es ist klar, dass die Liste derzeit weder vollständig noch perfekt ist.

    Antworten

  17. Jens Klessmann

    Weitere Kommentare zu den Datenlizenzen Deutschland finden sich auch hier: https://github.com/fraunhoferfokus/ogd-metadata/issues?page=1&sort=comments&state=open

    Antworten

  18. Frau Dr. Groß, es freut mich sehr, dass Sie hier selbst diese Neuigkeiten veröffentlichen! Das Bemühen, auf eine (oder zwei) Standardlizenzen zurückzugreifen, ist nach meiner Ansicht ein sehr guter Schritt!

    Der Text der Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 1.0 ist erfreulich übersichtlich. Doch auch dort gibt es zwei schwer durchschaubare Details:

    1. „… oder der Quellenvermerk ist zu löschen, sofern die datenhaltende Stelle dies verlangt.“ – Heißt das, die einzige Bedingung – die Namensnennung – kann durch den Daten-„Urheber“ in ihr Gegenteil verkehrt werden?

    2. Leider ist unklar, was mit „Bereitsteller“ gemeint ist, und wie sich das von „datenhaltende Stelle“ unterscheidet. Wird es irgendwo eine ausführliche, aber ebenso offizielle, Erläuterung geben?

    Antworten

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